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Was man von Mücken & Rehen lernen kann

  • Autorenbild: Amelie Reist
    Amelie Reist
  • 2. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Apr.

Wir Menschen brauchen Geschichten, um Zusammenhänge zu verstehen. Daher ist es Teil des Medicine Walks, deine Geschichte im Anschluss zu erzählen und sie wieder erzählt zu bekommen. Das gibt dir die Möglichkeit, dich von deiner eigenen Geschichte und den Botschaften der Natur für dich noch einmal berühren zu lassen. Die folgende Geschichte ist eine dieser Medicine Walk Geschichten. Sie ist wahr & magisch zugleich. Du darfst selbst entscheiden...


Es war einmal und es war auch nicht, da stieg ein Mann auf einen Berg, um Ruhe zu finden. Ein Mann mit einem dichten Alltag, grosser Verantwortung sowohl im Job als auch als Vater mit kleinen Kindern. "Wie kann ich den Kontakt zu mir behalten in all dem?" fragte er sich. "Ständig braucht es mich. Überall Bedürfnisse, Konflikte, Lärm. Wo in all dem bin ich?".

Und nun sass er da auf einem mossbewachsenen alten Baumstamm und blickte auf das Bergpanorama vor ihm. Er fühlte die Müdigkeit. Den Wunsch zu ruhen. Doch da hörte er das erste Surren in der Luft. Mücken. Und nicht ein paar wenige, sondern viele. Sie hüllten den Mann ein, so wie der Lärm seines Alltags es auch tat. Anfags schlug er um sich und versuchte, sich zu schützen. Doch je länger er dort sass und die Mücken sich an ihm gütlich taten, liess er los. Man könnte meinen, er hätte einfach aufgegeben, aber so war es nicht. Viel mehr akzeptierte er die Situation. Und dann, nach und nach, fand er trotz der schwirrenden kleinen Plagegeister um sich herum Frieden. Er fühlte sich nicht mehr als Opfer, sondern als Teil eines grösseren Organismus um sich herum. Er gehörte nun zu dem Wald, in dem er sass, genau wie diese kleinen Mücken. Mit dieser Wahrheit sass er eine ganze Zeit und schlief darüber ein. Er erwachte von Schritten ganz in seiner Nähe und als er die Augen öffnete, sah er zwei Rehe. Eine Ricke mit ihrem Jungen. Das Kitz sprang freudig umher während seine Mutter die jungen Blätter eines nahestehenden Baums genoss. Der Mann war tief berührt von diesem Bild und dem Zutrauen der Beiden, die ihn in dieser Nähe zu sich akzeptierten. Diese Rehmutter wirkte so bestimmt in ihrem Weg. Sie kümmerte sich um sich und ihre Bedürfnisse, während ihr Kleines sie stets im Blick behielt. Der Mann dachte an seine eigenen Kinder. Und wie anders er sich als Vater wahrnam. Immer mit einem Auge auf dem Kind, damit ja nix passieren würde. Immer am Erklären, am Beschwören, warum etwas so oder so gehörte. Und nun sah er sich im Spiegel dieser Rehmutter und lernte von ihr über das Anführen aus sich selbst heraus.


Von diesem Berg kam ein Mann zurück, dessen Haut zwar mit Stichen übersäht war, dessen Augen jedoch leuchteten. Denn er hatte nun eine Idee, wie er sich selbst im Blick behalten konnte, auch wenn das Leben viel von ihm forderte: Akzeptieren, was nicht verändert werden kann und vertrauen, dass er führen wird, indem er in Ruhe und Klarheit präsent ist.


Diese Geschichte ist wahr und sie ist frei erfunden. Glaubst du an die Medizin von Geschichten? Ich darf immer wieder den Menschen Geschichten spiegeln, die sie tatsächlich in der Natur erlebt haben. Dieses Wiedererzählen ist ein grosses Geschenk für mich und ich sehe immer wieder, wie es auch die Menschen berührt, denen ich ihre eigene Geschichte erzähle, mit einer Prise von mir.


Wenn du auch von den Haslibergen und dem wilden Wald hier berschenkt werden willst, komm auf einen Medizingang vorbei und erlebe die Magie am eigenen Körper.

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